Daniel Pipes
Mobilfunk-Seite
Normale Seite

USA an Israel: Macht, was wir sagen...

von Daniel Pipes
New York Post
1. Juli 2003

Englischer Originaltext: U.S. to Israel: Do As We Say ...
Übersetzung: H. Eiteneier

In einem Abkommen, das am Wochenende von der Nationalen Sicherheitsberaterin der USA, Condoleezza Rice vermittelt wurde, vereinbarten die palästinensischen Terrorgruppen eine vorläufige Waffenruhe unter der Bedingung, dass Israel seine Praxis der „gezielten Tötungen" (Exekution von Terroristen, bevor sie die Chance haben sich zu organisieren oder die Tat auszuführen) einstellt. Aber die Israelis behalten sich das Recht vor, dieses Taktik zu benutzen, um sich zu schützen.

Wo steht die US-Regierung in dieser Sache? Eigentlich auf beiden Seiten. Sie befindet gezielte Tötungen für „nicht hilfreich", wenn sie von israelischen Soldaten ausgeübt werden, aber „sehr gut", wenn Amerikaner sie ausführen. So verurteilte Richard Boucher, Sprecher des Außenministeriums, Israels Angriff auf Mohammed Deif im September 2002: „Wir sind gegen gezielte Tötungen. Wir sind gegen den Gebrauch schwerer Waffen in städtischen Gebieten, auch wenn es um Leute wie Mohammed Deif geht, die für den Tod von amerikanischen Staatbürgern verantwortlich sind. Wir denken, dass diese Leute vor Gericht gebracht werden müssen."

Wenige Wochen nach diesem Vorfall schickten die US-Streitkräfte jedoch ein unbemanntes Flugzeuge los, um eine Bombe auf Ali Qaed Senyan al-Harthi abzuwerfen, einen Al Qaida-Agenten, der mit einem Auto im Jemen unterwegs war. Ein Beamter des Pentagon lobte das als „eine sehr erfolgreiche taktische Operation", um „den Druck auf Al Qaida aufrecht zu erhalten". Hier gab es kein Gerede darüber, Harthi vor Gericht zu bringen.

Zu diesem offensichtlichen Widerspruch befragt, bestand Boucher darauf, dass sich die US-Politik den gezielten Tötungen gegenüber „nicht geändert hat" und fügte noch hinzu, dass Rechtfertigungen für die US-Aktion im Jemen „unter anderen Umständen nicht notwendigerweise anwendbar sind".

In einem Kommentar genau dieser Leistung schrieb Max Boot „Weekly Standard", dass „was immer Richard Boucher bezahlt bekommt, es nicht genug ist. Seine Fähigkeit, hin und wieder eine unsinnige Haltung des Außenministeriums mit ernstem Gesicht zu vertreten, spricht für den Beruf des Diplomaten."

Es gibt andere in Washington, die sollten vermutlich auch eine Gehaltserhöhung bekommen:

„Macht, was wir sagen, nicht, was wir tun", fasst die US-Haltung zusammen.

Heuchelei, Einseitigkeit und an Israel höhere Maßstäbe anzulegen sind alles plausible Erklärungen. Aber zwei weitere machen auch Sinn. Washington ist geteilt, wie Rand Fishbein in der „National Review" anmerkt: Während amerikanische Diplomaten Israel wegen seiner Taktiken schelten, werden viele dieser Taktiken von amerikanische Soldaten in aller Offenheit übernommen.

Dann gibt es noch die unsichtbare Annahme, dass Israel sich in einem Friedensprozess befindet, während die Vereinigten Staaten einen Krieg führen. Richard Boucher deutete dies an, als er sich verurteilend über die gezielten Tötungen durch die Israelis ausließ: „Wir alle verstehen ... die Lage in Bezug auf die israelisch-palästinensischen Fragen und die Aussichten auf Frieden und die Aussichten auf Verhandlungen und die Aussichten auf die Notwendigkeit, eine Atmosphäre des Fortschritts zu schafffen".

Übersetzt heißt das: Israel hat seinen Krieg gegen die Palästinenser schon gewonnen, indem es sie dazu brachte, seine Existenz anzuerkennen, also ist eine diplomatische Lösung auf dem Weg und Jerusalem darf diese Aussicht nicht verderben. Im Gegensatz dazu müssen die USA ihren Krieg erst noch gewinnen, also können und müssen sie Gewalt anwenden.

Unglücklicherweise haben die letzten zehn Jahre gezeigt, das Bouchers Analyse falsch ist: Die Palästinenser haben Israels Existenz nicht anerkannt, wie die Beweise vom Kinder-Fernsehprogramm bis hin zu den Predigten in den Moscheen zeigen. Bouchers „Aussicht auf Frieden" werden weit entfernt bleiben, bis die Palästinenser einen Wandel des Herzens durchmachen – und das wird am besten durch Duldung der israelischen Selbstverteidigung erreicht.

Verwandte Themen:  Arabisch-israelische Konflikt und Diplomatie, Israel, US-Außenpolitik abonnement der kostenlosen wöchentlichen e-mailliste (auf deutsch) von daniel pipes