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Wo die „Große Lüge" der Nazis Bestand hat
von Daniel Pipes
New York Sun
1. Mai 2007
Englischer Originaltext: Where the Nazi "Big Lie" Endures
Übersetzung: H. Eiteneier
„Wenn die heutige antiisraelische und antijüdische arabische Propaganda der des Dritten Reiches stark ähnelt, dann gibt es dafür einen guten Grund." Das schreibt Joel Fishman vom Jerusalem Center for Public Affairs in „The Big Lie and the Media War against Israel" (Die Große Lüge und der Medienkrieg gegen Israel), einer tiefe Einsicht gebenden geschichtlichen Forschungsarbeit.
Fishman beginnt damit, dass er die auf den Kopf gestellte Lage festhält, nach der Israel als gefährlicher Räuber wahrgenommen wird, während es seine Bürger gegen Terror, konventionellen Krieg und Massenvernichtungswaffen verteidigt. Eine Umfrage aus dem Jahre 2003 stellte z.B. fest, dass die Europäer Israel als „die größte Bedrohung" des Weltfriedens betrachten. Wie konnte diese irre Umkehrung der Wirklichkeit – der einzige vollständig freie und demokratische Staat wird als führende globale Bedrohung angesehen – entstehen?
Fishmans Anwort geht zum Ersten Weltkrieg zurück, was nicht überrascht, da Analysten der Zeit nach dem Kalten Krieg zunehmend das Ausmaß erkennen, in dem Europa immer noch im Schatten dieser Katastrophe lebt, ob es nun die erneuerte Politik des Appeasement ist oder seine Einstellung gegenüber der eigenen Kultur. Damals nutzte die britische Regierung erstmals die Fortschritte in den Massenmedien und der Werbung aus, um die Zivilbevölkerung des Feindes wie die eigene zu beeinflusse, in der Hoffnung, dass deren Denken geformt würde.
Die Öffentlichkeit der Mittelmächte hörte Botschaften, die dazu geschaffen waren die Unterstützung ihrer Regierungen zu untergraben, während die Öffentlichkeit der Entente mit Nachrichten über Gräueltaten gefüttert wurden, von denen einige falsch waren. Insbesondere die britischen Behörden behaupteten, dass das kaiserliche Deutschland eine Leichenverwertungsfabrik (Kadaververwertungsanstalt), die die Leichen der toten Feindsoldaten ausbeutete, um aus ihnen Seife und anderes zu produzieren. Als die Briten nach dem Ende des Krieges die Wahrheit erfuhren, hinterließen diese Lügen Rückstände von dem, was Fishman „Skepsis, Verrat und eine Stimmung des Nachkriegsnihilismus" nennt.
Die britische Desinformationskampagne hatte zwei katastrophale Folgen für den Zweiten Weltkrieg. Erstens sorgte sie dafür, dass die Öffentlichkeit der Alliierten skeptisch bezüglich deutschen Gräueltaten an den Juden war, die den imaginären Horrorgeschichten sehr ähnlich waren, die die Briten verbreitet hatten, so dass die Berichte aus den von den Nazis besetzten Gebieten regelmäßig skeptisch aufgenommen wurden. (Das erklärt, warum Dwight D. Eisenhower Besuche in den Konzentrationslagern unmittelbar nach deren Befreiung arrangierte, um deren Wirklichkeit zu bezeugen und zu dokumentieren.
Zweitens vermerkte Hitler bewundernd in seinem Buch „Mein Kampf" (1925) den britischen Präzedenzfall: „Zuerst waren die Behauptungen der [britischen] Propaganda so unverschämt, dass die Leute sie für geisteskrank hielten; später ging sie den Menschen auf die Nerven; und am Ende wurde sie geglaubt." Ein Jahrzehnt später führte diese Bewunderung in die „Große Lüge" der Nazis, die die Wirklichkeit auf den Kopf stellte und die Juden in Verfolger und die Deutschen zu Opfern machte. Eine riesige Propagandamaschine trichterte diese Lügen in die deutschsprachige Psyche – mit großem Erfolg.
Die Niederlage Deutschlands diskreditierte solche Methoden der Umkehrung der Wirklichkeit. Aber einige entkommene Nazis trugen ihre alten antisemitischen Ambitionen in Länder, die sich jetzt im Krieg mit Israel befanden und versuchten seine jüdische Bevölkerung zu ermorden. Tausende Nazis fanden Zuflucht in Ägypten, eine kleinere Anzahl erreichte andere arabischsprachige Staaten, vor allem Syrien.
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 Eines von Johann von Leers' antisemitischen Traktaten: „Juden sehen dich an" |
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Fishman untersucht besonders den Fall von Johann von Leers (1902-1965), ein frühes Mitglied der Nazi-Partei, Protégé von Goebbels, sein Leben lang ein Kumpan Himmlers und ein offener Vertreter der völkermörderischen Politik gegenüber den Juden. Sein Artikel „Judentum und Islam als Gegensätze" pries die Muslime für ihren „ewigen Dienst" die Juden „in einem Zustand der Unterdrückung und Angst" zu halten. Dieser von Leers entkam 1945 aus Deutschland und tauchte ein Jahrzehnt später in Ägypten auf, wo er zum Islam konvertierte und politischer Berater in Nassers Informationsministerium wurde. Dort, schildert Fishman, „unterstützte er die Veröffentlichung einer arabischen Ausgabe der „Protokolle der Weisen von Zion", belebte den Ritualmordvorwurf wieder, organisierte antisemitische Sendungen in zahlreichen Sprachen, kultivierte Neonazis weltweit und unterhielt einen warmherzigen Briefwechsel mit der ersten Generation der Holocaustleugner".
Diese Grundlagenarbeit bewies ihren Wert nach Israels historischem Sieg im Sechstagekrieg von 1967, einer demütigenden Niederlage sowohl für die Sowjetunion wie auch ihrer arabischen Verbündeten. Die darauf folgende sowjetisch-arabische Propaganda-Kampagne verweigerten Israel das Recht auf Selbstverteidigung und kehrte die Wirklichkeit um, indem ihm gnadenlos Aggression vorgeworfen wurde. Genau wie Hitler es in „Mein Kampf" analysiert hatte, wurden diese unverschämten Behauptungen erst als irrsinnig angesehen, letzten Endes aber geglaubt.
Anders ausgedrückt: Der heutige politische Wahnsinn steht in direkter Verbindung mit dem von gestern. Könnten einige der heutigen Antizionisten sich schämen, wenn sie erkennen, dass ihr Denken, so neu verpackt es auch sein mag, lediglich eine Weiterentwicklung der völkermörderischen Täuschungen sind, für die Hitler, Goebbels und Himmler eingetreten sind? Könnten sie dann diese Ansichten aufgeben?
Verwandte Themen: Antisemitismus, Geschichte
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