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Palästinensische Wortspiele

von Daniel Pipes
New York Sun
4. Januar 2005

Englischer Originaltext: Palestinian Word Games
Übersetzung: H. Eiteneier

Wir lesen, dass „Premierminister" Abbas sich am Sonntag als Nachfolger von Yassir Arafat als „Präsident" von „Palästina" zur Wahl stellt.

Entschuldigung, aber als „Premierminister" bezeichnet nach der „Encyclopedia Britannia" den „Kopf der Exekutive einer Regierung in Staaten mit einem parlamentarischen System". Trotz zehntausender Bezugnahmen auf Abbas als Premierminister trifft diese Beschreibung nicht einmal in einem einzigen Punkt zu.

Und dann gibt es ja noch das Problem, dass es keinen Staat namens „Palästina" gibt. Arabische Landkarten zeigen ihn regelmäßig an Stelle von Israel. Die UNO erkennt seine Existenz an. Ebenso gewisse Telefongesellschaften – z.B. Frankreichs Bouygues Telecom und Bell Canada. Trotzdem existiert ein solcher Ort nicht.

Man den Gebrauch dieser Begriff als Symptome derselben Realitätsferne abtun, die die palästinensischen Kriegsanstrengungen seit 1948 untergraben haben. Aber sie treiben auch die palästinensische Sache (eine höfliche Formulierung von „die Vernichtung Israels") entscheidend voran.

In einer Zeit, in der die Schlacht um die öffentliche Meinung eine Bedeutung hat, die dem Aufeinanderprallen von Soldaten Konkurrenz macht, hat der Erfolg der Palästinenser in der Formulierung der Fragen ihnen entscheidende Unterstützung bei Politikern, Schreibern von Kommentaren, Akademikern, Demonstranten auf den Straßen und NGO-Aktivisten eingebracht. In der Summe halten diese Zusätze die palästinensischen Anstrengungen am Leben.

Insbesondere in einer lange andauernden Auseinandersetzung mit einer statischen Sachlage hat die öffentliche Meinung große Bedeutung. Der Grund dafür ist, dass Worte Ideen widerspiegeln und Ideen motivieren Menschen. Waffen an sich sind undynamisch, heute inspirieren Ideen die Menschen die Waffen aufzunehmen oder ihr Leben zu opfern. Software treibt Hardware an.

Israel gewinnt in grundlegenden geographischen Begriffen. Der Staat wird in Englisch Israel genannt, nicht zionistisches Gebilde. Seine Hauptstadt wird Jerusalem genannt, nicht Al-Quds. Ähnlich erfreuen sich Tempelberg und Westmauer (Klagemauer) mehr Gültigkeit als Al-Haram ash-Sharif oder Al-Buraq. Die Sperranlage wird öfter Sicherheitszaun genannt (der palästinensische Selbstmord-Bomber draußen hält) als Mauer (die an das geteilte Berlin erinnert).1

In anderen Bereichen dominiert allerdings die Wortwahl der Palästinenser den englischen Sprachgebrauch, was ihnen hilft den Kampf um die öffentliche Meinung zu gewinnen.

  • Kollaborateur bezeichnet jemanden, der „auf verräterische Weise kooperiert" und erinnert an die französischen und norwegischen Kollaborateure, die ihr Land an die Nazis verrieten. Aber dieser Begriff (nicht „Informant", „Maulwurf" oder „Agent") beschreibt allgemein die Palästinenser, die Israel mit Informationen versorgen.

  • Der Status des Flüchtlings gilt normalerweise für jemanden, der sich „in Folge einer gut begründeten Furcht verfolgt zu werden ... außerhalb des Landes seiner Nationalität befindet", aber nicht auf die Nachkommen dieser Person. Im Fall der Palästinenser verdienen auch die Kinder, Enkel und Urenkel der Flüchtlinge den Flüchtlingsstatus. Nach Schätzung eines Demographen sind mehr als 95 Prozent der so genannten palästinensischen Flüchtlinge niemals von irgendwo geflohen. Nichtsdestotrotz wird der Begriff weiter benutzt, was impliziert, dass Millionen von Palästinensern ein Recht haben, wieder nach Israel umzuziehen.

  • Eine Siedlung ist definiert als kleine Gemeinde oder Ortschaft in einer neu besiedelten Region. Obwohl einige jüdische Städte in der Westbank und dem Gazastreifen zehntausende Einwohner haben und seit fast 4 Jahrzehnten existieren, ist „Siedlung" mitsamt den kolonialistischen Untertönen ihr fast universell benutzter Name.

  • Besetzte Gebiete impliziert, dass 1967 ein palästinensischer Staat existierte, als Israel die Westbank und den Gazastreifen übernahm, was aber nicht der Fall war und diese Gebiete zu rechtlich umstrittenen Gebieten macht, nicht zu besetzten.

  • Die Spirale der Gewalt, ein Begriff, den Präsident Bush übernommen hat („die Spirale der Gewalt muss enden, damit der Friedensprozess beginnen kann"), impliziert eine moralische Gleichstellung der Tötung von israelischen Zivilisten und palästinensischen Terroristen. Damit wird der Brandstifter mit der Feuerwehr verwechselt.

  • Das Friedenslager in Israel – ein Begriff, der aus dem leninistischen Sprachgebrauch stammt – bezieht sich auf diejenigen in der Linken, die glauben, dass Appeasement, die Beschwichtigung tödlicher Feinde, die einzige Möglichkeit ist die palästinensische Aggression zu beenden. Diejenigen, die ein anderes Vorgehen favorisieren (z.B. Abschreckung), bilden folgerichtig das „Kriegslager". Tatsache ist aber, dass sich alle Israelis in dem Sinne im „Friedenslager" befinden, weil sie alle den Konflikt beendet sehen wollen, keiner von ihnen sich danach drängt Palästinenser zu töten, Kairo zu besetzen oder Syrien zu vernichten.

Die Araber mögen im Pro-Kopf-Einkommen und fortgeschrittener Waffentechnik hinter Israel zurückgefallen sein, aber sie liegen auf dem semantischen Schlachtfeld weit vorne. Wer hätte vor nur einem Jahrhundert gedacht, dass die Juden die besseren Soldaten sind und die Araber die besseren Publizisten?

1 Die über die Links feststellbaren Zahlen sehen für den deutschsprachigen Raum zum Teil anders aus; insbesondere bei der Sperranlage, die zum weit überwiegenden Teil als „Mauer" bezeichnet wird.

Verwandte Themen: Arabisch-israelische Konflikt und Diplomatie, Palästinenser

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